
Die technischen Graduierungen
Vom weißen Gürtel bis zum schwarzen Gürtel 5. Dan, mit einer Bewertung nach Kompetenzen.
Der Weg in der Boxe Libre führt über sechs Gürtelfarben. Der schwarze Gürtel ist anschließend in fünf Dan-Grade unterteilt.
- Weiß
- Grün
- Blau
- Rot
- Rot-Schwarz
- Schwarz, vom 1. bis zum 5. Dan
Die Graduierung bestätigt Kompetenzen, keinen Technikkatalog
Boxe Libre setzt auf eine Pädagogik, die über Kompetenzen und realistische Situationen läuft. Bei der Gürtelprüfung wird niemand an Pflichttechniken gemessen, sondern daran, wie wirksam er auf eine vorgegebene Situation reagiert. Die technischen Mittel sind frei wählbar. Der Prüfer achtet auf Anpassung, Genauigkeit und eine kontrollierte Ausführung.
Das Programm jedes Gürtels legt fest, welche Kompetenzen zu zeigen sind: Faustschläge, Tritte, Knie, Ellbogen, Würfe, Kontrollen am Boden, Aufgabegriffe, Kombinationen und Konter. Welche Techniken er zeigt, entscheidet der Prüfling selbst, im Rahmen der technischen Regeln und der Sicherheitsregeln der Disziplin.
Warum wir keine Techniken vorschreiben
Kein Kampf läuft zweimal gleich ab. Distanz, Statur des Gegners, Müdigkeit oder Untergrund ändern sich von Situation zu Situation. Eine auswendig gelernte Form bereitet auf eine Lage vor, die so nie eintreten wird. Wer die passende Antwort wählen kann, ist für alle anderen gerüstet.
Jeder Körper ist anders. Größe, Beweglichkeit, Gewicht, Alter, sportliche Vorgeschichte: Was bei dem einen hervorragend funktioniert, bringt beim anderen wenig. Eine Technik vorzuschreiben hieße, einen Körperbau zu bewerten statt einer Kompetenz. Die freie Wahl erlaubt es jedem, seinen eigenen Stil aus dem aufzubauen, was für ihn funktioniert.
Verstehen statt aufsagen. Wer seine Antwort selbst wählt, muss beobachten, analysieren und entscheiden. Genau das erwartet man von einem Kämpfer, im Wettkampf wie in der Selbstverteidigung. Wer weiß, warum er eine Technik ausführt, kann sie anpassen, wenn sich die Lage ändert.
Jeder bringt seine Vorerfahrung mit. Viele haben schon Boxen, Karate, Judo oder Ringen betrieben. Boxe Libre verlangt nicht, dieses Können zu vergessen. Sie zeigt, wie man es in einem kompletten Kampf einsetzt.
Frei heißt nicht leicht. Die Zahl der zu zeigenden Techniken, das Anforderungsniveau und die Sicherheitsregeln sind für alle gleich. Frei ist die Wahl der Mittel, nicht das erwartete Niveau. In Boxe Libre steht das Wort „libre“ für Handlungs- und Bewegungsfreiheit, und das gilt auch am Prüfungstag.
Worauf der Prüfer achtet
- wie passend die Antwort auf die vorgegebene Situation ist
- die Anpassungsfähigkeit des Prüflings
- die technische und taktische Logik seiner Aktionen
- die Kontrolle der Techniken und die Sicherheit des Partners
- die Wirksamkeit der Lösung insgesamt
Zu jeder Prüfung gehören auch Fragen zur Schule: der Name des Gründers, das Gründungsjahr der Boxe Libre, ihre drei Ursprungsdisziplinen, die Gürtel und ihre Farben, die verschiedenen Wettkampfformen, der Gruß im Stand und am Boden. Wer diese Fragen nicht beantworten kann, fällt durch.
Die Prüfung findet vor einem Übungsleiter oder einem Verbandsinstruktor statt, der den Prüfungsbogen ausfüllt und das Ergebnis unterschreibt. Die Mindestwartezeiten zwischen zwei Graduierungen legt der Trainer fest (mit Olivier abzuklären).
Das Programm für jeden Gürtel
Für jeden Gürtel gibt das Programm an, wie viele Techniken aus jeder Gruppe zu zeigen sind. Welche Techniken es sind, entscheidet der Prüfling.
Grüner Gürtel: bestanden ab 28 von 35 Punkten
- Rollen vorwärts und rückwärts, Fallen nach vorne, nach hinten und zur Seite
- 2 Abwehraktionen gegen Angriffe (Block, Stoppkick oder Greifen, gegen einen hohen oder tiefen Angriff)
- 6 Schlagtechniken mit den Armen, davon 2 mit den Ellbogen
- 6 Schlagtechniken mit den Beinen, davon 2 mit den Knien
- 5 Würfe und 5 Haltegriffe oder Kontrollen am Boden
- 2 Kombinationen jeder Art: Schlagkombinationen (Fuß, Faust und Ebenenwechsel), Schlag mit anschließendem Wurf, Wurf mit anschließendem Aufgabegriff
- 1 Frage zur Schule, nach Wahl des Prüfers
Blauer Gürtel: bestanden ab 41 von 54 Punkten
- Rollen vorwärts und rückwärts, Fallen nach vorne, nach hinten und zur Seite
- 4 Abwehraktionen gegen Angriffe
- 9 Schlagtechniken mit den Armen, davon 3 mit den Ellbogen
- 9 Schlagtechniken mit den Beinen, davon 3 mit den Knien
- 6 Würfe und 6 Haltegriffe oder Kontrollen am Boden
- 5 Kombinationen jeder Art: Schlagkombinationen (Fuß, Faust und Ebenenwechsel), Schlag mit anschließendem Wurf, Wurf mit anschließendem Aufgabegriff
- 3 Fragen zur Schule, nach Wahl des Prüfers
Roter Gürtel: bestanden ab 75 von 94 Punkten
- Rollen vorwärts und rückwärts, Fallen nach vorne, nach hinten und zur Seite
- 8 Abwehraktionen gegen Angriffe
- 12 Schlagtechniken mit den Armen, davon 4 mit den Ellbogen
- 11 Schlagtechniken mit den Beinen, davon 3 mit den Knien
- 8 Würfe und 8 Haltegriffe oder Kontrollen am Boden
- 8 Kombinationen jeder Art: Schlagkombinationen (Fuß, Faust und Ebenenwechsel), Schlag mit anschließendem Wurf, Wurf mit anschließendem Aufgabegriff
- 8 Vitalpunkte
- 1 Assaut in pädagogischer Boxe Libre über 2 Minuten
- alle Fragen zur Schule
Rot-schwarzer Gürtel: bestanden ab 87 von 109 Punkten
- Rollen vorwärts und rückwärts, Fallen nach vorne, nach hinten und zur Seite
- 10 Abwehraktionen gegen Angriffe
- 15 Schlagtechniken mit den Armen, davon 5 mit den Ellbogen
- 13 Schlagtechniken mit den Beinen, davon 3 mit den Knien
- 10 Würfe und 10 Haltegriffe oder Kontrollen am Boden
- 10 Kombinationen jeder Art: Schlagkombinationen (Fuß, Faust und Ebenenwechsel), Schlag mit anschließendem Wurf, Wurf mit anschließendem Aufgabegriff
- 10 Vitalpunkte
- 1 Assaut Boxe Libre mit verstärktem Kontakt über 2 Minuten
- alle Fragen zur Schule
Schwarzer Gürtel 1. Dan: bestanden ab 132 von 165 Punkten
- Rollen vorwärts und rückwärts, Fallen nach vorne, nach hinten und zur Seite
- 2 Minuten Shadow-Boxing: Beinarbeit, Gewichtsverlagerung, Einsatz von Schulter und Hüfte beim Schlagen
- 10 Abwehraktionen gegen Angriffe
- 15 Schlagtechniken mit den Armen, davon 5 mit den Ellbogen, und 15 mit den Beinen, davon 5 mit den Knien
- 10 Würfe und 10 Haltegriffe oder Kontrollen am Boden
- 10 Kombinationen jeder Art: Schlagkombinationen (Fuß, Faust und Ebenenwechsel), Schlag mit anschließendem Wurf, Wurf mit anschließendem Aufgabegriff
- 10 Vitalpunkte
- 2 Themen-Assauts über je 1 Minute, nach Wahl des Prüfers
- 1 Assaut Stand-up-Boxen über 2 Minuten (Clinch erlaubt), 1 Assaut Bodenkampf über 2 Minuten, 1 Assaut Boxe Libre über 3 Minuten
- alle Fragen zur Schule
Mögliche Themen der Assauts: den Gegner mit Armen und Beinen kontrollieren, die Mitte halten, aus einer Ecke herauskommen, im Angriff, im Konter oder im Rückwärtsgehen boxen.
Schwarzer Gürtel 2. Dan: bestanden ab 156 von 195 Punkten
- das Programm des 1. Dan
- 1 Minute Shadow-Boxing am Boden auf einem Sack: Kontrollen, Übergänge, Schläge und Positionswechsel, um Hebel festzumachen
- 4 Themen-Assauts über je 1 Minute statt 2
Schwarzer Gürtel 3. Dan: bestanden ab 188 von 235 Punkten
- das Programm des 2. Dan, mit 6 Themen-Assauts
- sich aus einem noch nicht festen Griff lösen: Guillotine, juji gatame, Rückenumklammerung, gefangenes Bein nach einem Roundhouse-Kick
- präzise mit den Fingerknöcheln (kento) und dem Fußballen schlagen
- 1 Assaut Bodenkampf und 1 Assaut Boxe Libre über je 2 Minuten
Prüfungsbögen herunterladen
Die Bögen füllt der Übungsleiter oder Verbandsinstruktor am Prüfungstag aus. Format: PDF.